08.10.2015 Tölzer Merkur: Die Vernunft mit ins Boot holen

Rafting auf der Isar / Instruktionen

Bad Tölz-Wolfratshausen – Im Minutentakt starteten diesen Sommer die Raftingboote auf der Isar. Für Vögel und Fische ist das ein Problem. Die Tourenanbieter haben nun eine freiwillige Selbstverpflichtung unterzeichnet – für einen sensiblen Umgang mit der Natur.

 

Der Flussuferläufer ist vom Aussterben bedroht. Heuer hat der Landesbund für Vogelschutz nur noch eine Brutstelle zwischen Sylvenstein und Bretonenbrücke ausgemacht. „Es muss jetzt gehandelt werden“, mahnte Heribert Zintl kürzlich in einem Leserbrief. Eine der notwendigen Maßnahmen aus seiner Sicht: den kommerziellen Bootsbetrieb an der Isar einschränken.

 

„In diesem Sommer waren sehr viel mehr auf der Isar“, beobachtete auch Biologe Achim Rücker. Grundsätzlich sei jeder Mensch in der Natur ein Störfaktor, stellt der Zweite Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz fest. Das gelte „besonders, wenn Bootsfahrer Inseln betreten, auf denen Vögel brüten. Wenn die zu lange nicht zum Nest können, kühlen die Eier aus“, so Rücker. Neben dem Flussuferläufer seien Flussregenpfeifer und Eisvogel betroffen. Im Wasser bestehe die Gefahr, dass die Boote Fischlaich im Kies zerstören.

 

„Es wäre schön, wenn man die gewerblichen Bootsfahrten einschränken könnte“, stimmt Rücker Zintl zu. In den USA würden Kontingente vergeben. Dadurch dürfe nur eine gewisse Anzahl von Booten pro Tag fahren, und die Natur könne sich erholen. „Außerdem könnte man einen Rückfahrservice anbieten, damit nicht so viele Autos unterwegs sind“, regt Rücker an.

 

So eine Regelung ist in Deutschland rechtlich nicht möglich. „Es gilt die Gleichbehandlung. Jedermann darf Boot fahren“, erklärt Cornelia Breiter, im Landratsamt zuständig für Wasserrecht. Beschränkungen des sogenannten „Gemeingebrauchs“ seien nur aus gewichtigen Gründen möglich. „An der Isar gilt das freie Betretungsrecht.“ Das Landratsamt prüfe aber, ob Verbesserungen möglich sind.

 

Die gewerblichen Bootsanbieter aus dem Tölzer Land, München und Garmisch setzen unterdessen auf Freiwilligkeit statt gesetzliche Beschränkung. Sie haben eine Selbstverpflichtung unterzeichnet. Sie sichern darin unter anderem zu, passende Ausrüstung zu gewährleisten, Brutinseln nicht zu betreten und keinen Müll zu hinterlassen.

 

Für Heiko Fröhlich vom Raftingunternehmen Montevia in Lenggries ist diese Verpflichtung eine Selbstverständlichkeit. „Es ist unser Auftrag, den Leuten zu erklären, warum man den Flussuferläufer schützen muss.“ Ihn ärgert, dass die gewerblichen Anbieter pauschal mit „Discount-Bootstouristen“ verglichen werden. Bootstouren bei Montevia würden von ausgebildeten Guides begleitet, die auf ihren Fahrten Müll sogar aus der Isar mitnehmen, wenn sie ihn sehen. Zudem gibt es laut Fröhlich auch geschichtliche Touren, und er könnte sich Fahrten vorstellen, die den Teilnehmern Wissenswertes über die Isar beibringen. „Uns liegt die Natur am Herzen“, sagt er. Mit einem Verbot aber „erreicht man nicht das Verständnis der Leute und ändert nicht ihr Verhalten.“

 

Franz Steger ist sich sicher, dass die freiwillige Selbstverplichtung in der nächsten Saison Wirkung zeigt. „Das ist auf jeden Fall ein Gewinn“, findet der Umwelt-Sachgebietsleiter im Landratsamt. Alle erreiche man damit aber nicht. Deswegen setzt er zudem auf Aufklärung. „Über den Winter werden neue Informationstafeln für die Einstiegsstellen gestaltet“, sagt Steger. „Viele wissen einfach nicht, dass sie mit ihrem Boot einen Wildfluss befahren.“

 

Wissensvermittlung hält auch Dora Schulze vom Wasserwirtschaftsamt für sinnvoll. „Wenn die Leute informiert sind, würden sie keine Mühlkoppen töten.“ Das Wasserwirtschaftsamt beschäftigt aber vor allem der Sicherheitsaspekt. „Wir versuchen, die Isar in ihren ursprünglichen Zustand zu bringen. Daraus ergeben sich aber Gefahrenstellen für unerfahrene Bootsfahrer.“ Deswegen sei das Credo: Dem Fluss so viel Freiraum wie möglich zu geben, aber gefährliche Strukturen für den Menschen zu entfernen. „Am Ende ist wichtig, dass die Leute gesund ankommen“, sagt Schulze.

 

 

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